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Manual
für Lehrer
Konzept
Umfassende Lesedidaktik
Leseförderung ist in aller Munde. Der
PISA-Schock hat uns wach gerüttelt. Er hat eine beeindruckende Aktivität im
Bereich des schulischen und außerschulischen Lesens angestoßen. Es ist nun
an der Zeit, eine Systematik der Leseförderung zu entwickeln, die es uns
erlaubt, unsere Fördermaßnahmen einzuordnen und ihren Stellenwert zu
beurteilen. Dazu müssen wir alles, was wir über Leseförderung wissen,
zusammenfassen in eine umfassende Lesedidaktik. Das Leseförderprogramm
PISAKIDS versucht, eine solche Lesedidaktik in ein praktisches Programm
umzusetzen.
Die theoretischen
Grundlagen
PISAKIDS macht
sich den internationalen Kompetenzbegriff zu eigen, der der PISA-Studie und
der Iglu-Studie zugrunde liegt. Im Zusammenhang damit berücksichtigen wir
die Ergebnisse der Lesesozialisations-Forschung, der
Lesemotivations-Forschung und der Leseerwerbs-Forschung. Wir wissen heute,
wie Lesen funktioniert und welche Einzelkompetenzen erforderlich sind, damit
ein Text vollständig verstanden wird. Wir wissen auch, welchen Bedingungen
die Sozialisation unterliegen muss, um Lesen zu ermöglichen und in
besonderer Weise zu unterstützen und wir wissen, was Leser motiviert und vor
allem, was sie demotiviert. Wir wissen ferner viel über den kognitiven
Prozess des Spracherwerbs, insbesondere der Decodierung und wir wissen,
welche Rolle dabei das sogenannte „phonologische Bewusstsein“ spielt.
1. PISAKIDS als komplexes
Leseförder-Projekt
Wenn man all diese Aspekte im Auge hat, kann
eine ausgewogene Leseförderung nur ein komplexes Vorhaben sein, dessen
Einzelbestandteile in einem Projekt zusammen geführt werden müssen. Dazu
gehören:
-
geeignete Lesetexte
-
stark motivierende Elemente
-
Differenzierung und Individualisierung
-
genau geplante und gezielte Übungen
-
sozialisierende Elemente
-
für die Grundschule: basale Übungen zum
Decodieren und zum Ausbau des „phonologischen Bewusstseins.“
1.1. Lesetexte:
Lesen ist die wichtigste
Kulturtechnik. Die Fähigkeit zu lesen ermöglicht uns die aktive
Teilnahme an der sozialen und kulturellen Umwelt. Durch Lesen erwerben wir
Wissen und Bildung, Informationen und Unterhaltung. Lesen ist Kommunikation.
Lesetexte
müssen von Anfang an diesem Bedürfnis des Individuums entsprechen. Das
heißt, sie müssen für das Kind belangvoll sein; sie müssen etwas
transportieren, was den Leser direkt anspricht und für ihn wichtig ist.
Lesetexte dürfen niemals nur dazu da sein, Lesetechnik zu erwerben.
Lesetexte stellen von Anfang an eine Herausforderung und einen Zugewinn dar.
Deshalb bieten wir in PISAKIDS ausschließlich nur Texte an, die wichtige,
interessante Themen für Kinder bereithalten, die eine komplette Geschichte
anbieten mit einer anspruchsvollen Aussage, Texte, an denen das Kind etwas
verstehen kann. Solche Texte findet man in der Kinderliteratur.
Erzählende Kinderliteratur befriedigt dabei die emotionalen Bedürfnisse
nach Spannung, Identifikation und Harmonie und hat so eine sehr stark
motivierende Wirkung.
1.2. Lesemotivation
Die
Motivation ist bei der Leseförderung der Dreh- und Angelpunkt
überhaupt. Die tragende Intention zur Entwicklung von PISAKIDS war das
Anliegen, Kinder zum Lesen zu motivieren. Ohne Motivation wird es uns nicht
gelingen, die Kinder zum Lesen zu führen und sie beim Lesen zu halten. Neben
den geeigneten Lesetexten müssen weitere wichtige Aspekte beachtet werden,
die vor allem eine frühe Demotivierung vermeiden helfen. Das sind vor
allem Unterforderung und Überforderung. Wir wissen, dass bei einer großen
Gruppe von Kindern schon sehr früh nach der Alphabetisierung ein tief
greifender Prozess der Demotivierung einsetzt. Wichtige Bedingungen, um dies
zu verhindern, sind:
-
Leseübungen und Lesesituationen müssen einen starken
Aufforderungscharakter haben.
- Lesen
muss immer freiwillig sein; das schließt die freie Wahl des Lesestoffes
ein.
- Lesen
muss unbedingt das Prinzip der Individualität beachten im Anspruchsniveau
und bei der Lesegeschwindigkeit.
- Die
Ästhetik spielt beim Lesen eine große Rolle.
-
Leseanstrengungen sollten unmittelbar belohnt werden durch Lob und
Gratifikation.
1.2.1. Spiele als Motivation und Leseanreiz
Das
interaktive Leseförderprogramm PISAKIDS erfüllt diese Forderungen in
hervorragender Weise. Besonders motivierend bei PISAKIDS sind die Spiele.
Dass Kinder gerne spielen, hilft uns, sie zum Lesen zu verlocken. Die Spiele
sind so angelegt, dass Kinder gewinnen können und Punkte erwerben können.
Das motiviert zum Weitermachen. Es gibt eine Fülle von unterschiedlichen
Spielen mit vielfältigen Spielideen. Es gibt darüber hinaus auch Angebote,
die andere Tätigkeiten einfordern: Lesen, Zuhören, Schreiben und Basteln. So
kann das Kind aussuchen und wechseln.
1.2.2. Freie Wahl und Individualisierung als
Motivierung
Mit PISAKIDS
sollen Kinder völlig selbstständig arbeiten. Sie können auswählen, welches
Buchprojekt sie bearbeiten wollen, auf welcher Ebene sie sich aufhalten und
wie viel sie arbeiten wollen. Sie können zwischen den Ebenen springen und
sie können zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten auswählen. Sobald das
Programm für alle 4 Grundschuljahre ausgebaut ist, können sie auch die
Jahrgangsebenen wechseln. So ist eine größtmögliche Individualisierung des
Lesens erreicht und zwar sowohl was das Anforderungsniveau anlangt als auch
bei der Lesegeschwindigkeit. Kinder die langsam lesen, können die Übungen
unbegrenzt oft wiederholen. Die meisten Übungen bieten bis zu sechs
unterschiedliche Übungsvarianten. Dieser Nutzungskomfort stellt sicher, dass
Kinder beim Lesen weder unter- noch überfordert werden.
1.2.3.
Ästhetik als Motivation
Eine
perfekte, ansprechende Form spielt in PISAKIDS eine besondere Rolle. Die
Spiele sind sehr sorgfältig mit Liebe zum Detail von hervorragenden
Grafikern gestaltet. Die Farben sprechen Kinder an und die Designs sind
außerordentlich fantasievoll. Alle Projektbücher sind durchweg auf höchstem
Niveau illustriert. Die Kinder werden durch ästhetische Gestaltungsaufgaben
angeregt, das Gelesene auch künstlerisch umzusetzen.
1.2.4. Evaluation als Motivation
Besonders
motivierend ist die unmittelbare Leistungskontrolle und Erfolgsdarstellung.
Das Kind sieht sofort, was es richtig gemacht hat und kann so lange weiter
üben, bis es gänzlich erfolgreich war. So wird seine Anstrengung sofort
belohnt durch den Erwerb von Punkten und seine Arbeit ist für alle
Beteiligten einsehbar im Lerntagebuch protokolliert. Das bedeutet für das
Kind eine angemessene Aufmerksamkeit und Lehrer und Eltern können die
Leistung gebührend würdigen.
1.3.Differenzierung
und Individualisierung als Unterrichtsprinzip
Differenzierung
und Individualisierung sind in der modernen Pädagogik Grundvoraussetzung für
erfolgreichen Unterricht. Das zeigen gerade auch die unterschiedlichen
Erfolge beim Lesen im internationalen Vergleich. Wo Unterricht in offenen
Formen, projektorientiert und individualisiert erfolgte, sind die Ergebnisse
deutlich besser. Gerade beim Lesen liegen die Leistungsniveaus im ersten
Schuljahr 2-3 Schuljahre auseinander. Deshalb muss hier differenziert
werden.
1.3.1.Übungsmaterial für effektive individuelle Förderung
Es fehlen
bislang geeignete Unterrichtsmaterialien, die effektives Üben für alle
Kinder garantieren. Der Anspruch, dass jedes Kind in der bemessenen
Übungszeit einen maximalen Übungseffekt auf seinem individuellen Niveau
erzielt, lässt sich oft nicht einlösen. Wir glauben, dass wir diesem Ziel
mit PISAKIDS ein großes Stück näher kommen, weil alle Kinder sehr gerne mit
dem Programm arbeiten und deshalb die Zeit nutzen. Vor allem aber auch
deshalb, weil wir qualifizierte Übungen entwickelt haben, die
zielgenau die Fähigkeiten trainieren, die zum Aufbau einer Lesekompetenz
erforderlich sind.
1.4. Die Qualität der Übungen - Kompetenzen
PISAKIDS
liegt eine klare Konzeption zugrunde. Wir machen hier den Versuch, den
internationalen Lesekompetenzbegriff auf die Erfordernisse der Grundschule
herunter zu brechen und in adäquate Übungen umzusetzen. Dabei beziehen wir
den gerade beginnenden Leselernprozess mit ein. Lesenlernen geschieht durch
die ganze Grundschulzeit hindurch. Wir orientieren uns an der
Stufenhierarchie der „reading-literacy“- Theorie, die eine aufsteigende
Folge von Lesefähigkeiten annimmt, die für eine vollständige Lesekompetenz
unerlässlich notwendig sind. Wir haben diese Teilkompetenzen für die
Grundschule wie folgt formuliert:
- Basales
Lesen als Decodieren von Wörtern (rote Ebene)
- Einfache
Informationen entnehmen können, Erkennen einfacher Text konstituierender
Elemente und Identifikation inhaltlich identischer Teile (grüne Ebene)
- Einfache
Beziehungen innerhalb eines Textes herstellen und erste Beziehungen zur
eigenen Erfahrung erkennen können (blaue Ebene)
- Den Text
als Ganzes wahrnehmen, den Hauptgedanken erkennen und verstehen können,
eine kritische Beurteilung vornehmen und eine kreative Anwendung versuchen
können (orange Ebene)
Die vier
Spiel-Ebenen in PISAKIDS sind diesen vier Kompetenzstufen zugeordnet.
Die Spiele
sind so entwickelt, dass sie im Kern die jeweils erforderlichen
Teilkompetenzen trainieren. Dabei bleiben alle Übungstexte im Kontext des
jeweiligen Buches. Mit aufgenommen haben wir auch wichtige
sprachstrukturelle Aspekte des phonologischen und grammatischen Aufbaus der
Sprache. Besondere Beachtung finden die in der „reading-literacy“-Theorie so
betonten Lesestrategien. Diese finden sich in der Beachtung des
Kontextes, der Bewusstmachung der Lesererwartung und der Leserrolle, der
Fähigkeit zur Strukturierung, Durchgliederung und Hervorhebung und der
Konstruktion und Rekonstruktion eines Textes.
1.5.
Sozialisierende Elemente
Aus der
Forschung zur Lesesozialisation ist uns bekannt, welch überaus wichtige
Rolle das Elternhaus und die unmittelbare Umwelt des Kindes für das Lesen
spielen. Je früher ein Kind mit Geschichten und Büchern in Berührung kommt,
je größer ist die Chance, dass es zu einem lesenden Kind wir. Hier spielen
Erzählen und Vorlesen eine herausragende Rolle. Aber nicht weniger wichtig
ist es, dass Eltern/Erzieher mit ihrem Kind über das Gelesene reden. Dadurch
entwickelt sich die sogenannte metakognitive Fähigkeit, d.h. das Kind ist
in der Lage über Gelesenes zu reden. Diese Fähigkeit begründet einen
Vorsprung vor anderen Kindern, der in der Grundschule kaum aufholbar ist.
In PISAKIDS
haben wir einige sozialisierende Elemente aufgenommen. Die Pisakinder führen
am Anfang und am Ende eines Projekts ein Gespräch über das Buch. Hier wird
vorgemacht, wie man über Bücher reden kann. Auf der 3. Ebene gibt es eine
Übung zum dialogischen Reden. Hier geht es um die Rednerperspektive. Einige
der statischen Aufgaben zielen auf Partner- oder Gruppenarbeit ab und regen
zum Reden und sprachlichen Gestalten an. Ferner stellen wir auf der 3. und
4. Ebene je ein Buch vor, das eine ähnliche Thematik behandelt, aber einem
avancierten Leseniveau zugehört. Die Besprechung des Buches kann man hören
oder lesen, d.h. das Kind kann sich auch etwas vorlesen lassen. Die
empfohlenen Bücher sind eher zum Vorlesen gedacht, sodass Anregungen in die
Familie oder in die Klasse getragen werden, das Vorlesen zu intensivieren.
1.6.
Lesen lernen und Aufbau eines phonologischen Bewusstseins
Der
Leselernprozess gehört zur Leseförderung in der Grundschule
selbstverständlich dazu. Wenn Kinder lesen lernen, müssen sie in der Lage
sein, die phonologischen Bausteine unserer Sprache zu diskriminieren. Viele
Kinder können das nur sehr rudimentär und haben deshalb enorme
Schwierigkeiten beim Lesen und später auch nachweislich große Probleme beim
Rechtschreiben. Spätestens während des Leselehrgangs müssen wir intensiv
darauf achten, dass Kinder die Bausteine unserer Sprache, Laut, Silbe, Wort
und Satz isoliert hören und erkennen lernen. Dazu gibt es inzwischen
hervorragende Übungsmaterialien, mit denen lange vor Schulbeginn geübt
werden sollte. Wir haben einige Elemente solcher Übungen zur phonologischen
Diskrimination in PISAKIDS aufgenommen. Anlaut- und Auslaut-Lesen gehören
dazu. Die Zerlegung von Worten in Silben schärft das phonologische
Bewusstsein ebenso wie das bewusste Zusammensetzen einzelner Wörter zu einem
korrekten Satz. Phonologische Elemente kehren auch auf Ebene 2 und 3 wieder,
wo es um Reime geht. Im Eltern-Manual zeigen wir einige grundlegende
Musterübungen für den häuslichen Gebrauch und weisen auf geeignetes Material
hin.
2.
Einsatz im Unterricht
2.1.
Unterrichtsstil
PISAKIDS ist
ein Ensemble von umfassenden Leseprojekten. Diese können vom Lehrer für die
ganze Klasse aufgegriffen werden, sie können aber auch für die
Einzelförderung eingesetzt werden. Voraussetzung ist immer, dass die
Projektbücher vorliegen. Es ist nicht notwendig, dass alle Kinder das
Projektbuch selbst komplett gelesen haben. Es muss aber den Inhalt sehr gut
kennen.
Ein
lehrerzentrierter Unterricht widerspricht dem Programm. Ideal ist der
Einsatz innerhalb offener Unterrichtsphasen, als Differenzierung und
Projektarbeit. Da die Kinder auch am häuslichen Computer arbeiten können,
eignet sich PISAKIDS insbesondere auch für das Lesetraining.
2.2.
Evaluation
PISAKIDS
bietet ein aufwendiges Evaluationsprogramm. Leseleistungen müssen
dokumentiert und objektiviert werden. Dies geschieht bislang noch sehr
unzureichend. Der Lehrer erhält im Programm verlässliche Daten über das
Leseniveau seiner Schüler und die Intensität der Arbeit im Programm.
Gemessen werden der Erfolg in Form von erworbenen Punkten, die Häufigkeit
der Wiederholungen und die Dauer der Präsenz. Die Daten beziehen sich auf
die jeweilige Spielebene und werden in der Leitfarbe präsentiert, sodass der
Lehrer einen raschen Überblick über das Leseprofil seiner Schüler gewinnt.
Diese Daten sollen ihm eine sachlichere und gerechtere Beurteilung seiner
Schüler ermöglichen, was sowohl für Differenzierungs- und Fördermaßnahmen
wie auch zur objektiven Beurteilung der Leseleistung eine unschätzbare Hilfe
ist.
2.3.
Medienkompetenz
Ein
wichtiger Effekt von PISAKIDS ist es, dass die Kinder bereits sehr früh mit
dem PC arbeiten. Sie gewinnen damit eine Sicherheit im Umgang mit einem der
wichtigsten Medien unserer Zeit. Der PC ist heute aus einer Lernbiografie
nicht mehr wegzudenken. Wir wollen ausdrücklich einen kontrollierten und
verantwortbaren Einsatz dieses Gerätes unterstützen, jedoch bietet es so
viele Vorteile, dass wir es nicht mehr ungenutzt lassen können. Die Übungen
haben ein perfektes Design. Wir arbeiten mit Farben und Bewegung, was
unterschiedliche Sinne anspricht und das Lernen fördert. Alle Übungen sind
unbegrenzt wiederholbar. Der Erfolg wird sofort objektiv dokumentiert. Die
Kinder haben eine Kontrolle über ihre Lernerfolge. Das Programm ist ständig
aktualisierbar, sodass immer neue Inhalte eingespeist werden können. Von
jedem Ort aus kann auf das Programm zugegriffen werden. Kein anderes
Unterrichtsmaterial kann dies leisten. *
Näheres zu den Spielen lesen sie unter: Die Spiele
* mit freundlicher
Genehmigung von Elisabeth Simon-Pätzold |
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