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-Fördern ja - Tricks nein-

Ich war so begeistert von dem Programm, dass ich versuchte meinen Kindern wo es ging Zeiten zu schaffen, in denen sie am Programm arbeiten konnten. Ich merkte bald, dass es sich hervorragend differenziert arbeiten lies, mit dem Programm. Egal, ob nun meine wissensdurstigen, flotten Kinder oder meine langsamen Schäfchen, dies ein bisschen schwerer hatten - alle genossen das Programm auf ihre Weise. Und ich genoss, die Stille und das emsige Tun, wenn wir am Programm arbeiteten und meine Kinder dabei zu beobachten. Ich lernte viele der Kinder auf eine ganz andere Art kennen und es wurde mir besonders in dieser Zeit ein Spiegel ihre verschiedenen Kompetenzen vorgehalten.

Ich zitiere hier wieder aus einer Mail:

Liebe Frau Simon-Pätzold,
heute war wieder ein überaus stressiger Tag. Ich war gestern Abend erst 20 Uhr von meinem Arbeitskreis zurück und die letzten Unterrichtsvorbereitungen erledigte ich heute Morgen gegen halb sechs. Dementsprechend etwas genervt ging ich in den Unterricht und hatte das Gefühl, das zog sich durch die 5 Stunden durch. Irgendwie ist bei den Kindern wohl auch die Luft raus, kein Wunder, bei dieser Wärme. Eigentlich hatte ich ja dann Feierabend... 
Aber da Jonas und Felix vor ungefähr einem halben Jahr beschlossen haben, dass Nachsitzen bei mir so schön ist, dass sie das jede Woche möchten - haben wir ganz einfach eine freiwillige Förderstunde daraus gemacht, die den beiden  (
Felix LRS - Jonas ADHS) sehr gut tut - und heute war wieder Förderstunde. Die beiden haben meinen Tag gerettet und ich genoss die Stunde unheimlich.
Heute durften sie mit PISAKIDS arbeiten. Ich setzte mich zwischen die beiden, um ihr Tun zu beobachten und ließ sie einfach machen...

Felix meinte: "A und B hab ich schon, ich mach jetzt Ebene C!" - das wunderte mich und ich zeigte den beiden, wie man seine eigenen Ergebnisse ansehen kann. So stellten wir auch fest, dass Felix auf seinem eigenen Konto noch gar keine Punkte hat, da er letztes Mal mit einem Partner zusammen auf dessen Konto spielte. So begann Felix aufs Geradewohl Spiele anzuklicken ...und abzuwählen...bis er sich für das Wort-Bild-Memory entschied, "das kann ich", meinte er.

Jonas hingegen ging systematisch vor. Er schaute zuerst nach, welche Buchseiten auf Ebene B noch fehlten, und rief diese Spiele auf.

Felix schaute rüber zu Jonas und rief nun die selben Spiele auf, um bei Jonas abzuschauen.

Schmunzelnd beobachtete ich, wie er sich wunderte, das bei ihm die Aufgaben nicht genau so erschienen, wie bei Jonas - also nichts mit Ablunzen.

Während Felix nun permanent versuchte, das Programm zu überlisten, blieb Jonas gelassen und arbeitete zwar langsam, aber stetig weiter. Jonas fällt das Lesen und grade die Sinnerfassung sehr schwer. Da ihn aber hier nur kurze Textabschnitte oder einzelne Wörter erwarteten, kam er immer zu einem Erfolgserlebnis und schaffte jeweils 8 bis 10 Punkte.

Wogegen Felix feststellen musste, dass er zwar in rasantem Tempo arbeitete, jedoch durch seine hohe Fehlerquote nur wenige Punkte erlangte.

Er freute sich ungemein, als er feststellte, dass sich die Sätze auf den Gepäckscheinen einfach zusammenpuzzeln ließen. Er meinte, wenn sich die Farbe des Scheins anpasst, dann muss er auch zusammengehören. Er freute sich und rief noch vor dem Überprüfen: "Juhu, ich habe alles richtig!" - Ich sagte darauf: "Wenn du dich mal da nicht zu früh freust, ich lese dir mal vor, was du da zusammengepuzzelt hast..." Er musste selbst feststellen, dass der Satz nicht sinnvoll war und dann, dass nur ein Paar zusammengepasst hatte - das erste, dass er durch Erlesen zusammengepuzzelt hatte. Nun grinste Jonas, der den Blödsinn nicht nachgemacht hatte sondern nun auch mit seinen ehrlich verdienten Ergebnissen protzen konnte, auf die er 10 Punkte bekommen hatte.

Die Stunde ging unheimlich schnell rum. Die beiden konnten es gar nicht fassen. Und ich stellte fest, wie ruhig ich in der Stunde geworden war, dass ich wieder eine Menge über die beiden gelernt hatte und ich freute mich, dass sich Ihr Programm nicht austricksen lässt.

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