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Praxiserfahrungen>>>weiterlesen>>>>>
Letzte Woche haben wir in der Klasse am Thema *Anderswo* gearbeitet. In unserem Sprachbuch war unter anderem eine Geschichte von einer Schule in Afrika. Eine Aufgabe lautete, einem Afrikanischen Kind einen Brief zu schreiben. Ich dachte, es würde ganz gut passen, den Kindern das Buch *Kidogo* bei dieser Gelegenheit vorzustellen. Ich besorgte 6 Kidogo- Bücher. Ich selbst hatte mir das Buch ja auch bestellt. Allerdings hab ich wohl nicht aufgepasst. Als ich das Buch bekam, war es in Englisch. Ich dachte, das macht ja nichts, ich lege es einfach dazu. Manche Kinder haben seit dem Kindergarten Englisch und ab der 3. Klasse haben die Kinder dann alle Englisch. Ich ließ aber auch alle anderen PISA-Kidsbücher auf dem Lesetisch liegen. Außerdem druckte ich ich die meisten pdf- Dateien zum Kidogo- Buch aus. Also das Kreuzworträtsel, die Logilei, die Bastelbögen für die Finger- und Stabpuppen (vergrößerte ich noch auf A3), auch die Einmal- Geschichten und die Geschichten zum Weiterschreiben druckte ich aus und klebte Schreibzeilen darauf. Anschließend kopierte ich die Arbeitsblätter mehrmals und legte sie zur Aufgabenauswahl. In der Klasse hängte ich Landkarten von Deutschland, von Europa und der Welt auf. Und legte einen Tieratlas, einen Wetteratlas und einen normalen Kinderatlas auf den Büchertisch. Außerdem legte ich die Ausdrucke vom *kleinen Suahelisprachführer* und einen Ausdruck aus dem Lexikon über Elefanten dazu. Ich erklärte den Kindern, dass das Kidogobuch so schön zu unserem Thema passt und dass ich mir wünschen würde, wenn alle Kinder im Laufe der Freiarbeit das Buch lesen würden, dass sie aber auch ein anderes Buch lesen dürften. Ich sagte ihnen, was man mit den Materialien alles anfangen könnte. Ich dachte z. B. , dass Niclas, der sich sehr für Zahlen interessiert, ein Elefanten- Zahlenbuch anfertigen könnte. Oder dass sich Kinder ein Suaheli- Sprachbuch basteln würden.
Heute ist mir klar geworden, dass ich meine Kinder gnadenlos überfordert habe. Aber ich bin ja lernfähig. Die Kinder ließen die vorbereiteten Materialien relativ unbeachtet, lasen alle im Laufe der Freiarbeit das Kidogobuch. Und es hat ALLEN Kindern wirklich gut gefallen. Danach arbeiteten die Kinder ganz entspannt mit dem Programm, manche am Kidogobuch, andere an dem von ihnen schon angefangenen Buch. Einzelne Kinder lasen ein weiteres PISA-Kidsbuch und arbeiteten daran im Programm.
Ich war zunächst ein bisschen traurig, dass keiner, der Kinder zu den angebotenen Materialien griff. Später las ich ihnen ein bisschen aus dem Suaheli- Sprachführer vor , nicht so viel, ein paar Tiere, die Wörter für ich, du, wir, Guten Tag, wie geht es dir und ein paar andere Sachen. Das machte den Kindern Spaß und sie sprachen die Wörter nach - erkannten sogar welche wieder, die wir aus Afrikanischen Märchen oder Liedern kannten. Einige begannen, sich nun noch einen Minisprachführer mit ausgewählten Lieblingswörtern anzufertigen. Als ich dann später überlegte, was ich da von meine Kindern gefordert hatte, verging meine Traurigkeit.
Heute also wieder ein PISAKIDS- Tag. Ich nahm mir heute einfach 2 Stunden Zeit nur für das Programm. Legte den Kindern einfach wieder alles hin und beobachtete, was passierte. Erstmal konnte ich feststellen, dass die meisten Kinder keine Probleme mehr mit dem Auffinden der Seite und dem Anmelden mit Name und Passwort hatten. Und wenn doch, halfen sich die Kinder gegenseitig. Und zu meiner Überraschung trat das ein, was ich mir letzte Woche gewünscht hatte. Verschiedene Kinder griffen zu den vorbereiteten Materialien. Ich konnte heute vielfältige Beobachtungen machen. Das war wirklich einmal richtige Freiarbeit. Aber doch gelenkte mit ausgewähltem Stoff. Ich dachte: " Wow, es wächst und gedeiht..."
Was ich im Einzelnen beobachtet habe, schreibe ich ihnen noch. Nur so viel: Manche Kinder spielen planlos die Übungen durch und wechseln dabei auch planlos die Bücher. Manche Kinder gehen Übung für Übung in einem Buch durch. Manche davon verbleiben an einer Übung, bis sie auch wirklich die 10 Punkte schaffen. Einige machen Lieblingsübungen immer wieder. Auch Kinder, die versuchen zu tricksen oder auch ihre Zeit verplempern gibt es, wie wohl immer. Ich habe sogar ein Kind beobachtet, welches das Mindmap löste. Beim ersten Mal verwechselte es die Bilder für Steppe und Waldland. Dann aber hatte es alles richtig. Ich war begeistert. Verblüfft war ich, als ich kurze Zeit später beobachtete, dass das Kind, nachdem es schon ein anderes Spiel begonnen hatte, das Spiel abbrach und noch einmal das Mindmap bearbeitete, beim Überprüfen die Luft anhielt und ein befriedigendes "Ja!" ausstieß, als es 10 Punkte bestätigt bekam. Ich dachte, na da hat jetzt aber jemand seinen Glückshormonspiegel aufgebessert... - Es gibt doch fast nichts Besseres, als nach einer Anstrengung dieses Gefühl zu haben: Geschafft! Ein Kind wagte sich heute daran, eine Einmalgeschichte im Computer zu schreiben und arbeitete länger als eine Unterrichtsstunde daran. 3 Kinder bastelten zusammen die Fingerpuppen und spielten damit. Auch die Kreuzworträtsel nahmen die Kinder und stellten aufatmend fest, dass sie gut zu schaffen waren. Manche Kinder standen während der Arbeit am Programm auf und holten sich das Buch dazu und lasen noch einmal nach. Alle arbeiteten ganz emsig, ohne dass ich irgendetwas sagen oder tun musste. Ich glaube sie waren froh, dass ich sie mal nicht genervt habe und ich staunte nur, beobachtete und machte mir Notizen. Ich habe heute wieder viel über meine Kinder bestätigt bekommen und dazugelernt. Ich danke Ihnen für dieses Programm und werde versuchen all die Dinge, die mich so sehr begeistern *auszuplaudern* |
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